Nachrufe

An dieser Stelle soll an einzelne verstorbene Persönlichkeiten erinnert werden, welche besonders prägend für den Fachbereich Landschaft an der TUM waren. Die Seite erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


Professor Haber bei seiner Dankesrede anlässlich seiner 100-jährigen Geburtstagsfeier © Andreas Printz

Die Beisetzung von Professor Haber findet statt am Fr. 16.Oktober 14:00 in der Aussegnungshalle am Waldfriedhof in Freising.

Nachruf Prof. Haber (1925-1926)
am 13. August 2026 ist unser ACL-Ehrenmitglied Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber verstorben. Viele von uns kannten ihn, haben bei ihm studiert, an seinem Lehrstuhl gearbeitet oder waren ihm auf andere Weise beruflich oder persönlich verbunden. Viele von Ihnen werden mir zustimmen: Er hat unseren Blick auf die Welt ganz wesentlich geprägt!
Wolfgang Haber wurde am 13. September 1925 in Datteln, Westfalen, geboren. Seine lebenslange Beschäftigung mit der Natur begann als Jugendlicher im Garten seines Elternhauses. Bevor er sich im Studium den Naturwissenschaften, also der Biologie, Chemie, Geographie und Zoologie, zuwenden konnte, musste er allerdings im Krieg als Soldat dienen. In französischer Kriegsgefangenschaft arbeitete er auf einem Bauernhof und lernte die Landwirtschaft aus bäuerlicher Perspektive kennen – eine Erfahrung, die ihm später zugutekam, als er sich mit den ökologischen Problemen der Landwirtschaft auseinandersetzte.
Nach der Promotion an der Universität Münster mit einer Dissertation über die ökologische Rolle von Bakterien in mitteleuropäischen Böden entschied er – entgegen dem ausdrücklichen Rat seines Doktorvaters – sich weiterhin mit der Ökologie zu beschäftigen, einer damals noch wenig beachteten Wissenschaft.
Seine Berufung an die Technische Universität München (TUM) im Jahr 1966 auf den später von ihm in Landschaftsökologie umbenannten Lehrstuhl wurde – nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Heinrich Walter in Hohenheim sowie als Kustos und stellvertretender Direktor des Landesmuseums für Naturkunde – zum entscheidenden Schritt einer wissenschaftlichen Laufbahn, die weltweit Anerkennung fand. Der Beginn im konservativ geprägten Weihenstephan war, wie er selbst erzählte, schwierig. Die Agrarwissenschaften waren nach dem Krieg stark auf die Steigerung der pflanzlichen und tierischen Produktion ausgerichtet, obwohl die Umweltprobleme intensiver Landwirtschaft bereits deutlich sichtbar waren. Rachel Carsons Buch „Der stumme Frühling“, in dem sie die ökologischen Folgen des Pestizideinsatzes beschrieb, war ja schon 1962 erschienen. Dieses Buch steht am Beginn der Umweltbewegung, die Wolfgang Haber mit wichtigen wissenschaftlichen Beiträgen begleitet und beeinflusst hat.
Er erkannte früh, dass sich die grundlegenden Probleme der menschlichen Nutzung und Übernutzung von Natur und Landschaft nur lösen lassen, wenn Produktions- und Schutzinteressen zusammengeführt werden und damit die „Tragik der Almende“ überwunden wird. Der Bezug auf Landschaften mit ihren unterschiedlichen natürlichen und menschlichen Prägungen war dafür zentral. Auf der Grundlage von Überlegungen des amerikanischen Systemökologen Eugene P. Odum entwickelte Haber seine Theorie der differenzierten Landnutzung. Sie sollte auch eine Brücke zu seinen Kollegen an der TUM schlagen, was ihm nach eigener Einschätzung jedoch nicht gelang. Die Vorstellung, dass auch in hochproduktiven Agrarlandschaften ein Netzwerk naturnaher Strukturen mindestens zehn Prozent der Fläche einnehmen sollte – nur ein Aspekt der Theorie –, fand später jedoch Eingang in die Naturschutzgesetzgebung.
An seinem Lehrstuhl entwickelte er die Landschaftsökologie zu einer räumlich-systemorientierten Wissenschaft. So entstand eine große Breite von Forschungsvorhaben, die von alpinen Räumen über agrarisch geprägte Kulturlandschaften bis zu Stadtlandschaften reichten. Leitend war stets das Ziel, wissenschaftliche Fragestellungen so zu bearbeiten, dass daraus Erkenntnisse für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung gewonnen werden konnten. In einer Festschrift wurden die daraus hervorgegangenen Dissertationen und Habilitationen dokumentiert (Spandau, L., Trepl, L., Hrsg. Landschaftsökologie. Die Lehre Wolfgang Habers dargestellt in Dissertationen und Habilitationsschriften von 1966-2001. Schriftenreihe Landschaftsökologie Weihenstephan, Vol. 14, Freising). Wolfgang Haber führte das Personal seines Lehrstuhls klar und gewährte zugleich große Freiheit in der Gestaltung der jeweiligen Aufgaben. Viele wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schlugen später erfolgreiche Wege in Wissenschaft und Praxis ein.
Die Landschaftsökologische Modelluntersuchung Ingolstadt, die groß angelegte Ökosystemforschung im Rahmen des UNESCO-Programms „Man and the Biosphere“ im Nationalpark Berchtesgaden sowie die erste landesweite Biotopkartierung in Bayern trugen zum internationalen Ruf des Lehrstuhls bei. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt kamen nach Weihenstephan, um diese und weitere Projekte kennenzulernen.
Professor Haber argumentierte stets äußerst sachlich und sehr präzise. So war er in der Lage, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen klare Schlussfolgerungen für die Politik zu ziehen. Deshalb war er ein stets hochgeschätzter Ratgeber, etwa als Vorsitzender des Umweltsachverständigenrats der Bundesregierung, unter anderem mit dem damals viel diskutierten Sondergutachten zur Landwirtschaft von 1985. Mit Klaus Töpfer, dem damaligen Umweltminister, verband ihn eine über das Berufliche hinausgehende Wertschätzung. Er war Mitglied des Beirats für Naturschutz und Landschaftspflege des Bundeslandwirtschafts- und später des Bundesumweltministeriums, Sprecher des Beirats für Naturschutz und Landschaftspflege des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen sowie Sprecher des Deutschen Rats für Landespflege e.V. Mit seinem Gutachten zur Einrichtung eines Nationalparks im Bayerischen Wald legte er eine wichtige Grundlage für dessen Gründung. Darüber hinaus engagierte er sich für die Wissenschaft als Gründungsmitglied und Präsident der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ), als Vizepräsident der International Association for Landscape Ecology (IALE) und als Präsident der International Association for Ecology (INTECOL). Er war ordentliches Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) sowie der Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW).
Von 1991 bis 2002 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Allianz Umweltstiftung. Nach der Vereinigung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik spielte er als Mitglied des Gründungskomitees eine wichtige Rolle beim Aufbau des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ), dem er als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats verbunden blieb. Zu nennen sind auch Gastprofessuren in Japan, China, Österreich, Spanien und der Schweiz.
Für seine Leistungen wurde Professor Haber vielfach geehrt. Er wurde zum Ehrendoktor der Universität Hohenheim und zum Einstein-Professor der Chinesischen Akademie der Wissenschaften ernannt. 1993 erhielt er als erster Preisträger den Umweltpreis der Deutschen Umweltstiftung. Außerdem wurde er mit dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, dem Bayerischen Verdienstorden sowie dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Nach seiner Emeritierung im Jahr 1994 widmete sich Professor Haber verstärkt grundlegenden Fragen nach den Bedingungen nachhaltigen menschlichen Lebens auf der Erde. Seine Einsichten bündelte er 2010 in dem Buch „Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie. Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert“. Seine Lebensleistung wurde zuletzt im September 2025 durch ein Festsymposium, einen Festband, die Pflanzung einer Eiche und eine festliche Abendveranstaltung gewürdigt, die der ACL und der Verein für Nachhaltigkeit e.V. vorbereitet hatten.
Wolfgang Haber prägte Generationen von Studentinnen und Studenten, Doktorandinnen und Doktoranden sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch seine ganzheitliche Sicht auf die „Landschaft“ und seine Vermittlung globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen. Viele von uns erinnern sich dankbar an seine landschaftsökologischen Exkursionen in den Voralpenraum und ins Tertiärhügelland bis zum Wellheimer Trockental. In einem Interview für das „Nodium“ aus dem Jahr 2013 betonte er, wie wichtig es ihm stets war, Ökologie und Landschaftsgestaltung miteinander zu verbinden und diesen integrativen Ansatz auch in der Ausbildung zu verankern – ein Anspruch an unsere Ausbildungsstätte, den es zu bewahren und zeitgemäß weiterzuentwickeln gilt.
Angesichts eines über hundertjährigen, außerordentlich produktiven Lebens lässt sich das Wirken und die Bedeutung von Prof. Wolfgang Haber in diesen Zeilen nicht angemessen würdigen. Jede und jeder von uns, die oder der Professor Haber erleben durfte, verbindet eigene Erinnerungen mit ihm. Schreiben Sie uns gern, wenn Sie ihm Erlebnisse oder Erkenntnisse verdanken, die Sie mit den Mitgliedern des ALC teilen möchten.

Prof. Dr. Stephan Pauleit, Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, TUM


© 2023 EPFL

Nachruf Beate Jessel (1962–2026)
Am 13.04.2026 ist die ehemalige Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz Beate Jessel im Alter von 63 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.
Beate Jessel hat in Weihenstephan von 1982–1989 Landespflege studiert und den Schwerpunkt auf Landschaftsökologie und Landschaftsplanung gelegt. Anschließend war sie für drei Jahre wissenschaftliche Angestellte im Planungsbüro von Prof. Schaller in Kranzberg, und dann Leiterin des Referats „Ökologisch orientierte Planungen“ der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen. In dieser Zeit fertigte sie auch ihre Dissertation zum Thema „Landschaften als Gegenstand von Planung. Betrachtungen über die Theorie ökologisch orientierten Planens“ an. Es folgte der Ruf auf die Professur Landschaftsplanung an der Universität Potsdam. Von dort kehrte sie 2006 auf den mit Mitteln der Allianz-Umweltstiftung neu eingerichteten Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung an ihre Alma Mater nach Weihenstephan zurück. Von 2007 bis 2021 leitete sie das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Beate Jessel wurde 2021 zur Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL berufen und war ab 2023 Professorin für Landschaftsentwicklung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne. Dort baute sie eine Forschergruppe mit einem breiten Portfolio zu aktuellen Themen der Landschaftsentwicklung auf.
Frau Jessel hat in ihrer Karriere hervorragende wissenschaftliche Beiträge geleistet. Ihr gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Kai Tobias verfasstes und 2002 veröffentlichtes Buch ‚Ökologisch orientierte Planung‘ ist nach wie vor ein Standardwerk. Als Präsidentin des BfN hat sie den Naturschutz in Deutschland nachhaltig geprägt. Das Bundeskonzept ‚Grüne Infrastruktur‘, das Bundesprogramm ‚Blaues Band Deutschland‘, und das Programm zur Wiedereinbürgerung des Wolfs sind nur einige der bedeutenden Leistungen des BfN unter ihrer Leitung. Sie hat das BfN fachlich fundiert und mit großer Überzeugungskraft sowohl gegenüber der Politik als auch in der Öffentlichkeit vertreten.
Wir werden unserer ehemaligen Kollegin Beate Jessel ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. Stephan Pauleit, Lehrstuhl Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, TUM


Christoph Valentien bei einer Lesung in Foyer des Landschaftsgebäudes am 28.10.2024 (© Printz)

Wir trauern um unser Ehrenmitglied Prof. Christoph Valentien

Unser ACL-Ehrenmitglied und langjähriger Ordinarius des Lehrstuhls Landschaftsarchitektur und Entwerfen, Christoph Valentien ist am 2.12.2025 zu Hause im Kreis seiner Familie nach schwerer Krankheit eingeschlafen.


Erinnerung an Prof. Dr. Kohler

Der Kollege Kohler (Tübingen) ist am 21. Juni 2025 im Alter von 92 Jahren gestorben. Die älteren Alumni, Kolleginnen und Kollegen werden sich noch an ihn erinnern.
Er wurde nach meiner Berufung auf den 1966 gegründeten Lehrstuhl für Landschaftsökologie der TUM, den ich ja „mit Null“ begann, als zweiter Professor dorthin berufen und hat zur raschen Entwicklung und auch zum guten Ruf des Lehrstuhls wesentlich beigetragen. 
Er ergänzte meine Vorlesungen und Seminare in Landschaftsökologie und Ökosystemlehre durch solche in Vegetationskunde, die damals „Pflanzensoziologie“ hieß. 
Außerdem betrieb er intensive Forschungen. Sein Spezialgebiet war die Pflanzenwelt der Fließgewässer (nur Gefäßpflanzen, keine Algen). Dazu wählte er den Fluss Moosach aus, der durch Freising fließt, und legte oberhalb und unterhalb der Stadt je einen Flussabschnitt für seine Untersuchungen fest. Er fuhr fast täglich mit dem Fahrrad dorthin, maß den Wasserstand, die Fließgeschwindigkeit und die Wassertemperatur, und notierte jeweils den Zustand der Pflanzen, ihr Wachstum, Blühen oder Fruchten. Auch die Wasserchemie wurde regelmäßig untersucht. Jeden Monat machte er auch Vergleiche mit dem Pflanzenwuchs in der Isar und der Donau.
Kohler beschränkte sich aber nicht auf diese Forschungen, sondern pflegte auch Kontakte nach Übersee, vor allem nach Südamerika. Mehrfach war er in Chile und hat dort an der Pazifikküste die Flora und Vegetation eines Dünenbereichs untersucht und darüber publiziert.
Er war ein sehr angenehmer, stets hilfsbereiter Kollege, den ich in bester Erinnerung behalte.

Prof. Wolfgang Haber